Basis-Mathematik für Provider: Eins und Eins macht Nichts
3.03.2008 | schmierfink: ah | Kategorie: netzhetze, servicelöcherEs gibt da gerade eine wunderbare Werbung, in der ein Verkäufer auf dem Wochenmarkt einen Telefoncomputer imitiert. Lustig, dachte ich. Ähnlich wie auf dem Wochenmarkt geht es ja bekanntlich auf dem Markt der Internetzugangs-Verkäufer zu: Alle schreien und packen noch was drauf. Mein Provider versorgt mich auch noch mit Fernsehkram on demand (”Blockbuster”, yezzzzz…), Handys und sicher bald auch Pizza. Nein, halt: Ich bin Bestandskunde. Und da hört der Service plötzlich auf.
Einen Monat brauchte der Umzug zur neuen Adresse, diverse Anrufe bei diverseren Hotlines (”Ich habe Sie nicht verstanden, bitte sagen Sie ja oder nein.” Nö.), unzählige Mails und recht oft die Frage: “Was macht denn die Box? Blinkt die oder ist das Licht konstant an?”
Dazu muss man wissen, dass “die Box” blinkt, wenn sie keine Verbindung zum Internet hat. Was ja meist der Grund für den Anruf ist. Nun gut. Sie blinkt also. Läge sicher an der Firmware. Ob ich ein Modem hätte. Ja. Sechs Megabyte können sehr sehr viel sein. Besonders dann, wenn’s nicht an der Firmware liegt. Nächster Anruf (”Ich habe verstanden: drölf.”). Ich lese der Frau Zahlenfolgen aus dem Menü der Box vor, nachdem ich versichert habe, dass die Lampe blinkt. Sie sagt, da wäre wohl eine Störung in der Leitung. Sag ich doch. Ich frag sie, warum ihre Kollegen das nicht sofort gemerkt haben. Sie weiß es nicht. Morgen oder übermorgen würde sich ein Techniker melden.
Morgen oder übermorgen meldet sich kein Techniker.
Beim nächsten Anruf (”Blinkt die Lampe?”) braucht der junge Mann etwas, um “den Vorgang” auf seinem Rechner zu finden. Dann aber. Eigentlich (Ein sehr beliebtes Wort bei dieser Art von Konversation, gern auch in Kombination mit:) hätte das schon… Da machen wir doch mal einen Termin. Morgen, 19 Uhr.
Morgen gegen 20 Uhr hat noch niemand angerufen. Herr Hotline (Lampe blinkt) sagt, die würden aber ja auch bis 20.15 Uhr arbeiten. Und siehe da: Um 20.14 Uhr ruft ein Techniker an. Nach den Formalien (Lampe blinkt) sagt der: “Das mach ich Ihnen gleich mal fertig.” Ich frag ihn, warum er das nicht schon früher gemacht hat und ob er mir mal seine Durchwahl für den nächsten Umzug geben könnte. Nee, sagt er. Dafür hätten sie ja die Leute im Frontoffice. Er sei im Backoffice. Fünf Minuten später sagt meine Freudin die Worte: “Guck ma, Lampe blinkt nicht mehr.”
Danke also an dieser Stelle an den Mann aus dem Backoffice. Und sorry an die Leute aus dem Frontoffice. Ich weiß mittlerweile, dass es kein Extra-Feld für “Herr Hollmann benutzte Fäkalsprache” in der Software für Kundenbetreuer gibt, wie ich es mir in einem Gespräch von der armen Wurst am anderen Ende wünschte. Ich weiß auch, dass ich meinen Tarif quasi nicht verändern kann, ohne vorher zu kündigen. Welche Ziele die Kommunikationsgiganten (Ich behaupte mal, sie nehmen sich im Grunde alle nichts) damit verfolgen, langjährige Kunschaft zu vergraulen, wissen wohl nur die Leute in den Führungsetagen, wo meine Schimpftiraden (”Können Sie bitte Ihrem Vorgesetzten und der dann seinem ausrichten:—”) niemals ankommen werden.
Die einfachste Lösung offenbarte übrigens eine Hotline-Dame. Sie hätte diesen ganzen Ärger nicht: “Ich hab einfach gar kein Internet.” Wohl so wie Schlachter, die Vegetarier werden.
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