Es ist jetzt schon ein paar Monate her, seit ARD und ZDF bemerkten, dass es das Internet gibt. Nachdem der öffentlich-rechtlich vollfinanzierte Haufen nun auch noch gemerkt hat, dass eben dieses Internet ein prima Sündenbock für die eigenen Publikumseinbußen ist, liegt die Lösung natürlich auf der Hand: wir müssen auch, sagen die Öffentlich-Rechtlichen. Und fahren heute abend ab 23.30 Uhr ganz andere Geschosse auf.
“Quoten, Klicks & Kohle” nennt sich der Beitrag des preisgekrönten ARD-Journalisten Dr. Thomas Leif, der für die ARD in einem ARD-Feature “die Kritik der Verleger untersucht”. Kritik an der ARD mithin, und man wartet mit Spannung auf die Ergebnisse. Da aber der Brötchengeber seinen Mitarbeiter schon vor Ausstrahlung interviewt, kennen wir diese bereits:
“Viele kommerziellen Portale liefern kaum Qualität und Eigenleistung.”
“Es gibt fast kein Medium mehr, das einigermaßen sachlich berichtet.”
und
“Da wird so getan, als ob das gesamte Gebührenaufkommen in das Internet gesteckt werden soll.”
Genau. Und das ja wohl zu Recht, denn es ist schon mal völlig egal, ob es ein Teil oder das gesamte Gebührenaufkommen ist, das plötzlich ins Internet geblasen wird und mit Textanbietern der freien Wirtschaft in Konkurrenz tritt. Das ist in etwa so, als würde eine Bäckerei mit öffentlichen Geldern subventioniert, die ihr Brot dann für die Hälfte verkauft, weil sie es ja kann.
Denn daher weht der Wind: Die Existenzängste nagen auf beiden Seiten. Die Verlagshäuser knapsen seit Jahren an der selben und immer neuen Krisen und haben sich gerade mal mit hochwertigen Angeboten im Internet eingefunden. ARD und ZDF hingegen verlieren ihr Publikum ans Internet. Dass jetzt das Flaggschiff Tagesschau als gute Seele des unabhängigen Journalismus an die Glocke gehängt wird, ist ja prinzipiell in Ordnung. Aber ARD und ZDF ist nicht gleich Tagesschau und Heute Journal. Sondern auch Lustige Musikanten und Heimatmelodie, abgekupferte Castingformate und Reality-Schrott.
Wie wär’s? Haben wir schon ein von der Allgemeinheit bezahltes TV, dann darf es doch gerne die Qualität bieten, die es im Netz vermisst. Was hat die ARD im Internet zu suchen? Nichts. Durch das von niemandem geforderte Internet-Angebot gilt auch ein Computer mit Netzwerkkarte oder 56k-Modem als Rundfunkgerät. So sieht’s nämlich aus im Kosmos der Öffentlich-Rechtlichen: Kassieren für unabhängige Berichterstattung, aber auch für die eigene Immunität und die gesicherte Gehaltsabrechnung – egal, was die Quote bringt. A Propos unabhängige Berichterstattung: Spätestens heute Abend, wenn ein ARD-Journalist von der ARD für ein ARD-Feature bezahlt wird, in dem er ARD-Gegner auseinander nimmt, zieht dieses Argument – zumindest bei mir – nicht mehr. Die Anderen betreiben Lobbyismus? Aha. Anschauen werde ich mir den Beitrag trotzdem. Und danach findet ihr mich wieder bei Spiegel.de.