[Trigami-Review]

Das stell sich mal einer vor: Die hochverehrte Deutschrockband Gallmucke geht auf Tour in Frankreich und dem Label fällt wieder einen Tag vor Deadline ein, dass es an französischsprachigen Presseinfos mangelt. Was für ein Desaster. Aber es gibt noch Supertext. Die machen das.

Im Gegensatz zur Gallmucke-Tour gibt es “die erste Online-Textagentur” tatsächlich. Die Schweizer versorgen nach eigenen Angaben ein Netzwerk aus 300 Textern, Journalisten und Autoren mit Material, das Kunden vom Schreibtisch aus einreichen – per Klick. Und da braucht es natürlich eine vernünftige Seite, die Otto Normal versteht.

Sah die Seite der AG vor einigen Wochen noch etwas altbacken aus, kommt das Angebot nun recht frisch aus dem Bildschirm gehüpft. Und das ist immerhin nur die Pflicht – mit der Auftragsvergabe erst kommt die Kür. Wie man es von einem Texter-Netzwerk wohl erwarten sollte, bringen die Macher ihr Angebot im Schnellstart auf den Punkt. Für “Tuning”, “Creation” oder “Translation” soll ich mich entscheiden.

Es folgt ein durchdachtes System, das den Kunden ausquetscht. Wie es sich gehört: Wer schon einmal einen Auftragstext verfasst hat, wird wissen, wie schwierig es ist, dem Auftraggeber die wirklich wichtigen und außergewöhnlichen Fakten zu entlocken. Die Supertexter fragen einfach alles – wo möglich in vorgefertigten Drop-Down-Menüs. Ich wähle also “Pressetext”, möchte 800 Zeichen und die sollen bitte am Ende französische Sätze bilden. Alles klar.

Im nächsten Schritt kommt gleich die “Offerte” und damit der weitestgehend einzige Minuspunkt auf Supertext: Obwohl die Zielgruppe im gesamten europäischen Raum verteilt ist / sein könnte, spielt sich der Content der Seite in der Schweiz ab. Also auch die Preise. Währungsrechner im Internet gibt es zwar wie Sand am Meer. Aber warum nicht auch einen Eurokurs für die 24-Stunden-Kreation bieten?

Nun gut, man kann nicht alles haben. Dafür aber ein umfangreiches Briefing. Hier geht die ganz richtige Ausquetscherei weiter – Titel (Referenz), eine kurze Beschreibung des Ziels, die Tonalität, das Publikum, Quellen… alles Mögliche und Unmögliche muss vermerkt werden. Das kann mancher Art-Director nach 20 Jahren nicht besser.

Meine Testbestellung wird übrigens flugs bearbeitet. Leider bekomme ich als einer von weißdergeier wie vielen Testern keinen fertigen Text, der mich doch wahnsinnig interessiert hätte. Dafür eine freundliche Mail mit einem Link. Und ich kann mich noch jetzt im Kundenmenü einloggen und meine Aufträge abfragen. Im großen und ganzen hakt die Seite nur an der Kultur-Barriere. Aber auch doofe Deutsche sollten schweizerischen Medienslang verstehen. Und aml ganz davon abgesehen: Die Idee ist eine von denen, die man selbst gern gehabt hätte. Jetzt sollte noch mal flugs ein Suchmaschinenoptimierer an die Seite (ich wüsste da ja einen), damit der Rubel richtig rollt. Und wenn Tokio Hotel so weiter machen: Die nächste Frankreich-Tour kommt sicher auch für Gallmucke. Dann lesen wir uns wieder…

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Die texten dich ganz schön zu.

23.05.2008 | schmierfink: ah | Kategorie: berufliches, netzhetze

2 Gläser Senf dazu
Dein Senf dazu »

  1. Vielen Dank für den Post. Ja, mit der Internationalisierung sind wir noch ein wenig am kämpfen, kommt aber noch dieses Jahr. In “richtigem” Deutsch und mit Euro, damit auch die Nicht-Schweizer bequem bei uns bestellen können.

    Suchmaschinenoptimierer? Auch auf meiner To-Do der Liste, wer ist es denn?

  2. ich :-)

Dein Senf?