Ideenklau ist beliebtestes Thema der Musikbranche. Das haben wir nun kapiert. Dass U2 nun das Cover zu ihrem neuen Album “No Line On The Horizon”, das im Februar fällig ist, “geklaut” haben sollen, scheint mir wieder mal das Werk thematisch unterfütterter Redakteure zu sein, nachdem der amerikanische Musiker Taylor Dupree in seinem Blog darauf aufmerksam machte, dass er eben dieses Foto bereits 1996 als Cover genutzt hat. Von “Ideenklau” ist da plötzlich die Rede, das Volk kocht: Ausgerechnet Gutmensch Bono zockt von armen kleinen Künstlern. Skandal.

Das Cover zeigt ein Bild des japanischen Fotografen Hiroshi Sugimoto, Motiv ist der Bodensee aus Sicht der Schweiz. Hübsches Bild, und gerade Sugimoto, der nach wie vor auf Film fotografiert, ist kein Unbekannter. Dass ein schönes Schwarz-Weiß-Motiv eines populären Fotografen Gegenstand von zwei verschiedenen Covern wird, dürfte nicht allzu ungewöhnlich sein. Vielleicht ein bisschen peinlich, immerhin aber eher auf miese Recherche als auf Ideenklau zurückzuführen.

Das sagt auch Dupree in seinem Blog, nachdem ihm auffiel, dass besagte unterfütterte Redakteure nur das Wort “Rip-Off” sahen und nicht etwa auch Duprees Vermutung, dass es sich wahrscheinlich eher nicht um böse Absicht handelte. Das überlas eben auch die Redakton von laut.de großzügig. Da wird zwar zugegeben, es sei fraglich, dass U2 von der Existenz des anderen Covers wussten. Es wird aber nicht erwähnt, dass auch Dupree dieser Ansicht ist. Das würde ja immerhin den “Vorwurf” entkräften: In letzter Zeit prügelt Laut.de doch auffällig gezielt auf die Skandal-Glocke. Irgendwo verständlich: Platten- und Ausgehtipps ziehen kaum einen Kommentar der Community auf sich, Bushido, Bohlen und die berühmten Plagiate lassen Antis und Fans pöbeln und brüllen. Das praktiziert die Bild-Zeitung seit Jahrzehnten, besser wird es dadurch aber auch nicht.

Wäre die ernsthafte Bereitschaft zur vernünftigen Recherche, deren Vernachlässigung man höchstens dem Designer des Covers vorwerfen kann, auch in der Redaktion vorhanden, hätte sie sich auch auf ein Interview mit Artworker Shaughn McGrath bezogen, das bereits einen Tag vor der Laut.de-Meldung auf U2.com zu lesen war. Dort wird auch aus Sicht des Designers auf den “Plagiats-Vorwurf” eingegangen: “Ich denke, wir machen etwas anderes mit Sugimotos Bild, etwas, das einzigartig mit der jüngsten Arbeit von U2 verbunden ist.”

Aus Sicht des Designers ist das Bild eben ein Bild, das Cover als Ganzes aber etwas vollkommen anderes. Ein bisschen peinlich eben, mit Sicherheit. Aber auch nicht weiter schlimm. So ähnlich richtet sich auch Dupree in seinem Blog ans streitende Volk: “Dieser Eintrag war in die 300 Leser meines Blogs gerichtet, um ihnen zu zeigen, dass etwas, was wir gemacht haben, auch von einer großen Band wie U2 getan wird. Gibt es nichts Wichtigeres zu tun? Hört auf, hier eure Zeit zu verschwenden. Macht was Sinnvolles.”

Also nicht auf die Links klicken bitte.

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Skandalblättchen Laut.de und die Ideenklauer von U2

25.01.2009 | schmierfink: ah | Kategorie: musikalisches, netzhetze

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