Dass die in Pressegesetz und -kodex verankerten Regelungen zur Trennung von Anzeigen und Redaktion gern mal in den Hintergrund rücken, wenn der Kunde mit den Scheinen winkt, ist nichts Neues. Auch an allgegenwärtige PR-Meldungen, die unrecherchiert als Nachricht verkauft werden, gewöhnt man sich schnell.

Ziemlich verblüffend kommt dann doch der aktuelle Spiegel daher: Die obligatorische “Hausmitteilung” wurde quasi von Toyota gekapert. Auf Seite 3, wo normalerweise das Editorial mit blatthoher Anzeige zur Rechten steht, wird ein Toyota Verso verkauft. Kleine Unterschiede zum echten Editorial, das auf Seite 5 rutschte, sind wohl da: So nennt sich das Ganze nur “Mitteilung”, statt “Der Spiegel – Das deutsche Nachrichten-Magazin” steht “Nichts ist unmöglich – Toyota” drüber, eine andere Typo wurde auch gewählt. Die Farben bleiben die gleichen, Details wie Datum, Versalien am Absatzanfang und ein “Betr.” auf der rechten Seite geben aber ein allzu vertrautes Bild ab. Auch die blatthohe Toyota-Anzeige fehlt nicht.

Als regelmäßiger Spiegel-Leser bleibt man also hängen. Wundert sich noch, dass Fotos von Autositzen das Editorial schmücken, fängt aber doch an zu lesen. Und fühlt sich doch irgendwie verarscht, sobald die ersten Zeilen über echte Träume und tolle Autos geschafft sind. Spätestens dann fällt auf, dass es sich um eine Anzeige handelt. Wie das den Weg durch die Anzeigenabteilung gefunden hat, weiß man nicht. Ob darüber diskutiert wurde, würde mich trotzdem brennend interessieren.

Das funktioniert natürlich nur, weil Toyota eine Doppelseite gebucht hat: Die Umschlagseite ziert der Verso, die zweite die “Mitteilung” samt Zusatzanzeige. Also keine konkrete Vermischung von Redaktion und Anzeige. Macht es das besser? Und vor allen Dingen: Ist das der Weg, potentielle Kundschaft zum Lesen einer Copy für eine neue Familienklitsche zu bewegen? Zumindest regen sich Deppen wie der Schreiber darüber auf. Nichts ist unmöglich. Eben.

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Werbe-Piraterie: Wie die Toyota-Anzeige das Spiegel-Editorial kapert

28.04.2009 | schmierfink: ah | Kategorie: netzhetze

5 Gläser Senf dazu
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  1. @konsumuffel is dein server am anschlag oder was. #weltweiteswarten

  2. @ampaze hm. scheint so.

  3. @konsumuffel vlt sind die tubes verstopft? http://en.wikipedia.org/wiki/Series_of_t...

  4. [...] merkwürdig, die meisten Blogs die halbwegs lesenswert sind, lassen sich ihr Editorial nicht von Toyota abkaufen, wie DER SPIEGEL… ein Beispiel von Tausenden… [...]

  5. Ich finde diese Art von Werbung wirklich furchtbar. Bereits die Anzeigen, welche sich als einzelne Artikel ausgeben, führen beim Lesen des öfteren zu Verwirrung. Allerdings ist es schon wirklich eine Frechheit, das Layout des Editorials zu kopieren und auf 2 Seiten die Leser hinters Licht zu führen. Meiner Meinung nach sinkt dadurch auch des Ansehen des Spiegels selbst beim Leser. Also gewonnen hat dadurch eigentlich nur Toyota…

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