Es gibt Servicelöcher, die sind größer als das Angebot. Die sind so ungeheuerlich, dass sie alles positive überschatten. Und ich habe das wohl größte Serviceloch Norddeutschlands entdeckt. Ich möchte sagen: ein schwarzes Serviceloch, das sämtliche positiven Aspekte erbarmungslos in sich saugt. Es ist in einem Hotel in unmittelbarer Nähe der Kieler Förde. Und wir reden hier nicht von miesen Brötchen oder ungewaschenen Bettlaken. Wir reden von der unfreundlichsten Bedienung, die mir bisher begegnet ist. Mitarbeiter in Behörden eingeschlossen.

Fangen wir mal da an: Hochzeit in Kiel, Hotel gebucht, wird schon schiefgehen. Am Telefon schon die Info: Bezahlt wird nur in Bar. Aha, seltsam. Aber bitte. 40 Minuten vor der Trauung stehen wir an der Rezeption in einem hübschen kleinen Hotel in bester Lage. Alles klasse, halt nur spät dran, wie immer eben. Dann geht’s auch schon los: “Wir machen die Abrechnung mal jetzt, wenn ich hier morgen früh mit den Kaffeekannen rumlaufe, ist das so stressig”, erklärt uns eine betont höfliche Dame und fordert umgehend 80 Euro in Bar. Wir haben 55 dabei. A Propos Stress: Wir müssten uns noch umziehen und wollten eigentlich auf dem Weg zur Hochzeit Geld holen. Und zahlen, NACHDEM wir die Dienstleistung (Raum zum pennen) in Anspruch genommen haben. Nö. Es geht wohl weniger um ihren Stress als ein gesundes Misstrauen dem Kunden gegenüber. Kommt dem Kunden jedenfalls so vor. Also erklärt Sie mir mit einer Engelsgeduld (“Nein, Sie zeigen nach RECHTS, ich habe LINKS gesagt, hören Sie doch zu!”) den Weg zum nächsten Geldautomaten. Ich renne zum Auto. Ich rase. Ich hole Geld. Ich rase zurück. Ich zahle. Ich bekomme eine Quittung vom Abrissblock. Sie fragt: “Sie sind ja auch Hochzeitsgäste, wollen Sie überhaupt Frühstück?” “Klar”, vermute ich. “Gibt’s aber nur bis 9.30 Uhr”, sagt sie scharf und der Blick sagt parallel: Dann bist du doch noch voll wie ne Ampel. Da wird sie auch Recht behalten. Aus Prinzip will ich aber jetzt schon, dass da morgen Frühstück bereit steht, das habe ich immerhin auch jetzt schon bezahlt. Ob ich es dann esse, aus dem Fenster werfe oder dem Hund gebe, ist ja wohl egal. Sie weist mich noch mussmutig an, dass ich auf ihrem Parkplatz gefälligst gerade parken soll. Die diagonalen Streifen seien alt. “Und heute nacht wird’s hier voll.” Gut zu wissen.

Viel zu spät bei der Hochzeit erzählt uns die frisch vermählte Braut, sie hätte versucht, den Pastor in eben unserem Hotel unterzubringen. Das sei daran gescheitert, dass die Chefin keine Kontonummer rausrücken und auch die rechtzeitige Vorkasse nur in Bar akzeptieren wollte. Sie wolle ihre Gäste sehen. Sie käme ja aus Kiel, dann könne sie ja wohl mal vorbei kommen und zahlen. Sie selbst wäre bei ihrer Hochzeit nicht so kompliziert gewesen. Dass da kein Geschäft zustande kam, muss wohl nicht weiter erwähnt werden. Es wurde recht lautstark aufgelegt. Der Pastor fuhr noch abends zum Kirchentag nach Bremen. Da ein Zimmer zu bekommen war offenbar leichter. Die Wege des Herrn eben.

Am nächsten Morgen lasse ich das Frühstück aus, nachdem ich gegen sechs ins Bett gekrochen bin. Meine Frühaufsteher-Freundin verspürt trotz längerer Schlafzeit und Hunger keine Lust, den Frühstücksraum mit der rotierenden Kaffeefrau aufzusuchen. Kein Problem. Schnell packen und auschecken. An der Rezeption kann ich es mir nicht verkneifen. Ich muss einfach sagen, ich hätte gern eine Rechnung. “Sie haben doch eine Quittung.” “Ich will aber eine Rechnung.” “Dann will ich aber die Quittung zurück.” Kriegt sie. Missmutig schreibt Sie eine Rechnung. Per Hand auf Abrissblock. Ich bin begeistert. Und kann noch einmal nicht widerstehen: “Haben Sie eigentlich die Flecken in den Zimmerecken gesehen?”, frage ich. Wolken ziehen auf. “Was für Flecken?” “Die in den Ecken. Hoffentlich ist das kein Schimmel.” Ich kann den Gast hinter mir quasi grinsen fühlen. “Hier gibt’s kein Schimmel!”, werde ich angefahren. Ein “Auf Wiedersehen” ihrerseits erübrigt sich automatisch. Ich flöte noch eins, auch wenn es knallhart gelogen ist.

Wieder zuhause fragen wir nochmal Google und stellen fest, dass wir noch gut weggekommen sind:

  • Die schwangere Frau durfte nicht auf die Toilette, während ihr Ehemann die Zimmermiete vom Geldautomaten holte.
  • Das Kleinkind am Frühstückstisch wurde zurechtgewiesen, als es vor sich hin summte.
  • Ein englischer Gast spricht von der “Landlady from Hell”. Andere werden angeranzt, sie hätten beim Frühstück gekleckert.
  • Und ein Gast wird um sieben Uhr morgens aus dem Bett geklingelt, er möge seine Folgenacht sofort bezahlen und die Liebschaft aus dem Zimmer werfen. So was würde nicht geduldet. Die Liebschaft war ans Telefon gegangen und keine Liebschaft, sondern der siebenjährige Sohn.

Ich muss sagen: Hätte ich diese kruden Behauptungen vor unserem Aufenthalt gelesen, ich hätte sie nicht geglaubt. Im Nachhinein würde ich sagen: Davon ist nichts erfunden.

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Schwarzes Serviceloch: Das vielleicht unfreundlichste Hotel im Norden

30.05.2009 | schmierfink: ah | Kategorie: servicelöcher

3 Gläser Senf dazu
Dein Senf dazu »

  1. @konsumuffel immer wieder erstaunlich, dass es sowas noch gibt.

  2. @ampaze was? neue ideen, die tatsächlich sinnvoll sind oder hast du deine snare gefunden?

  3. @konsumuffel gemeint war das schwarze service loch

Dein Senf?