Es dürfte wohl zu jedem halbwegs aufmerksamen Zeitungsleser durchgedrungen sein, dass Verlage es nicht leicht haben, seit “das Internet” die Preise drückt. Und “die Krise”. Und überhaupt: “das Internet” und “die Krise”. Beides taugt nicht so richtig als Feindbild, das ist auch klar. Zumal beides so abstrakt ist, dass man es nicht auf den ersten Blick kapiert.
Das Feindbild bietet Google mit sich ausbreitender Angriffsfläche und die seltsamsten Menschen werfen Bömbchen mit seltsamster Begründung (Danke an Konrad Lischka, der in einer Spiegel-Glosse eigentlich alles auf den Punkt bringt. Schwamm drüber, ich will auch). So fordert Hubert Burda, auch in seiner Funktion als Präsident des Verbands der deutschen Zeitschriftenverleger, in der FAZ Sachen solcher Art:
“(…) das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden. Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren. Das Recht auf Neutralität der Plattformen. Und damit verbunden die Garantie, dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden. Denn genau dies ist zurzeit technisch immer noch möglich.”
Nun ja, wie man von Suchmaschinen gefunden wird, fragte sich schon Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. Beziehungsweise: Warf Google vor, für Suchmaschinen optimierte Seiten in seinen Ergebnissen zu bevorzugen und damit den journalistischen Wettbewerb zu verzerren. Burdas Forderung nach der Einführung des Leistungsschutzrechts scheint der nächste logische Schritt: Suchmaschinenoptimierung ist aufwendig und teuer, SEO-Copywriting kann nicht jeder Redakteur (obwohl man einen gewissen Lerneifer und die entsprechenden Grundlagen erwarten sollte). Also was gegen Google tun. Der Vorwurf ist eigentlich ganz einfach: Die Verlage produzieren in ihren Online-Angeboten teuren Content, auf den Suchmaschinen verlinken. Allerdings platzieren selbige neben den Suchergebnissen zum Content passende Anzeigen. Unterm Strich, so die Rechnung, verdienen die Betreiber der Suchmaschinen Geld mit dem Content der Verlage. Das ist gemeint mit “dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden”.
Nun ist das eigene Geschäftsmodell eines Riesen wie Google allerdings ein Geschäftsmodell, auf das auch andere hätten kommen können, wenn sie nur über den Leser/Endkungen/Konsumenten und dessen Wünsche und Beweggründe nachgedacht hätten. Da Burda seinen Qualitätsjournalismus allerdings als vierte Kraft im Staate, als “Mediative” sieht, kann er nicht auf dieses Modell kommen. Stattdessen teilt man seinem Leser durch die Blume und kopftätschelnd mit, dass somit wohl klar ist, wer die Vorlagen zur Meinungsbildung liefert. Er. Der Mediative. Auf FAZ.net, flankiert übrigens von mehreren AdSense-Anzeigen.
Sicher ist wohl, dass Googles Anzeigen und eben gerade die Transparenz des Regulariums zur Aufnahme in den Index viel Schrott anlocken. Schrott von Leuten, die kapiert haben, wie sich damit Geld verdienen lässt, denen der gern angeführte Qualitätsjournalismus hingegen herzlich egal ist. Nun wird man wohl die Frage stellen dürfen, warum die mit der Qualität sich nicht ebenfalls in diese Richtung anstrengen. Gut, das ist unter Umständen anstrengend, aber nicht weniger anstrengend als weinerliche Abgesänge auf Vertriebsmodelle, die nur noch für und auf Papier existieren. Das Prädikat “schmerzhaft” verdient sich sogar der von mir mal wirklich geschätzte Deutsche Journalisten-Verband (DJV): Man fordert Verleger und Politik zu einer “konzertierten Aktion” gegen den Monopolisten Google auf. Das dürfte noch deutlich langweiliger und weniger konzertiert ausfallen als manche Begrüßung von Erst- für Zweitklässler, macht aber immerhin deutlich, dass zwischen Arsch und Wand nicht mehr viel Platz ist.
Lischka bringt es im Spiegel wie gesagt mehr als passend auf den Punkt: “Sie schimpfen auf Google und meinen das Netz”, steht da in der Überschrift. Und das ist doch der Knackpunkt. Denn der konsequenteste Ausweg aus der Misere mit Google & Co ist eine Zeile Code in einer kleinen Textdatei namens robots.txt und die Tür ist zu für Suchmaschinen, Magazine werden nicht mehr gecrawlt, in den Index aufgenommen oder neben Anzeigen platziert. Woher dann die Leser kommen, kann Google ziemlich egal sein, solange die Leser Google nutzen. Und da die Leser das Netz sind, haben Herr Burda, sein Verband und auch der DJV zwar eine einfache Lösung aber auch ein echtes Problem. Zum Glück ist es selbst gemacht.

Es dürfte wohl zu jedem halbwegs aufmerksamen Zeitungsleser durchgedrungen sein, dass Verlage es nicht leicht haben, seit “das Internet” die Preise drückt. Und “die Krise”. Und überhaupt: “das Internet” und “die Krise”. Beides taugt aber irgendwie nicht so richtig zum Feindbild. Zumal beides so abstrakt ist, dass man es nicht auf den ersten Blick kapiert.

Als Feindbild-Ersatz gibt es aber immer noch Google, und das mit wachsender Angriffsfläche. Auf die drauf werfen die seltsamsten Menschen kleine Bömbchen mit seltsamster Begründung (Danke an Konrad Lischka, der in einer Spiegel-Glosse schon mal alles auf den Punkt bringt). So fordert Hubert Burda, auch in seiner Funktion als Präsident des Verbands der deutschen Zeitschriftenverleger, in der FAZ Sachen solcher Art:

“(…) das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden. Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren. Das Recht auf Neutralität der Plattformen. Und damit verbunden die Garantie, dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden. Denn genau dies ist zurzeit technisch immer noch möglich.”

Nun ja, wie man von Suchmaschinen gefunden wird, fragte sich Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs schon vor einiger Zeit. Beziehungsweise: Warf Google vor, für Suchmaschinen optimierte Seiten in seinen Ergebnissen zu bevorzugen und damit den journalistischen Wettbewerb zu verzerren. Nun gibt es wohl kaum etwas objektiveres als mathematische Formeln, die Relevanz von Inhalten errechnen (was wohl Jakobs’ größtes Problem ist). Burdas Forderung nach der Einführung des Leistungsschutzrechts hingegen scheint der nächste logische Schritt: Suchmaschinenoptimierung ist aufwendig und teuer, SEO-Copywriting kann nicht jeder Redakteur (obwohl man einen gewissen Lerneifer und die entsprechenden Grundlagen erwarten sollte). Und wenn man es dann doch in die Suchergebnisse geschafft hat, klaut Google einem ja quasi Content. Überschriften immerhin. Also was gegen Google tun. Der Vorwurf ist eigentlich ganz einfach: Die Verlage produzieren in ihren Online-Angeboten teuren Content, auf den Suchmaschinen verlinken. Allerdings platzieren selbige neben den Suchergebnissen zum Content passende Anzeigen. Unterm Strich, so die Rechnung, verdienen die Betreiber der Suchmaschinen Geld mit dem Content der Verlage. Das ist gemeint mit “dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden”.

Nun ist das eigene Geschäftsmodell eines Riesen wie Google allerdings ein Geschäftsmodell, auf das auch andere hätten kommen können, wenn sie nur über den Leser/Endkungen/Konsumenten und dessen Wünsche und Beweggründe nachgedacht hätten. Da Burda seinen Qualitätsjournalismus allerdings als vierte Kraft im Staate, als “Mediative” sieht, kann er nicht auf dieses Modell kommen. Stattdessen teilt er seinem Leser durch die Blume und kopftätschelnd mit, dass somit wohl klar ist, wer die Vorlagen zur Meinungsbildung liefert und dass der Konsument ohne diese Vorlage gar nicht kann. Die Mediative. Auf FAZ.net, flankiert übrigens von mehreren AdSense-Anzeigen.

Sicher ist wohl, dass Googles Anzeigen und eben gerade die Transparenz des Regulariums zur Aufnahme in den Index viel Schrott anlocken. Schrott von Leuten, die kapiert haben, wie sich damit Geld verdienen lässt, denen der gern angeführte Qualitätsjournalismus hingegen herzlich egal ist. Nun wird man wohl die Frage stellen dürfen, warum die mit der Qualität sich nicht ebenfalls in diese Richtung anstrengen. Gut, das ist unter Umständen anstrengend, aber nicht weniger anstrengend als weinerliche Abgesänge auf Vertriebsmodelle, die nur noch für und auf Papier existieren. Das Prädikat “schmerzhaft” verdient sich sogar der von mir mal wirklich geschätzte Deutsche Journalisten-Verband (DJV): Man fordert Verleger und Politik zu einer “konzertierten Aktion” gegen den Monopolisten Google auf. Das dürfte noch deutlich langweiliger und weniger konzertiert ausfallen als manche Begrüßung von Zweit- für Erstklässler, macht aber immerhin deutlich, dass zwischen Arsch und Wand nicht mal mehr Platz für die Zeitung von gestern ist.

Es ist traurig und schlimm, dass für Verlage die Luft dünn wird. Es ist beängstigend, dass Lokalredaktionen immer weniger Zeit und Geld für fundierten Journalismus aufbringen können. Aber das ist nicht erst seit heute so und hat beileibe nicht nur mit der Existenz von Google zu tun, sondern auch mit der Behäbigkeit der “alten” Verlage, Anzeigenabteilungen und “Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht”-Redakteuren, die ihre Zielgruppe aus den Augen verloren hat (Sie wendet sich zunehmend dem Sterben zu). Lischka bringt es im Spiegel wie gesagt mehr als passend auf den Punkt (und betreibt damit wirklich unbezahlbaren Qualitätsjournalismus): “Sie schimpfen auf Google und meinen das Netz”, steht da in der Überschrift. Und das liegt der Hund begraben. Denn der konsequenteste Ausweg aus der Misere mit Google & Co ist eine Zeile Code in einer kleinen Textdatei namens robots.txt und die Tür ist zu für Suchmaschinen, Magazine werden nicht mehr gecrawlt, in den Index aufgenommen oder neben Anzeigen platziert. Woher dann die Leser kommen, kann Google ziemlich egal sein, solange die Leser Google nutzen. Und da die Leser das Netz sind, haben Herr Burda, sein Verband und auch der DJV zwar eine einfache Lösung aber auch ein echtes Problem, wenn sie zum Einsatz kommt.

Man kann es einfach nicht häufig genug sagen: Niemand wird gezwungen, bei Google zu suchen, Daten zu hinterlegen oder gar gefunden zu werden. Aber alle tun es, und viele beklagen sich. Das Dümmste, was sich im Netz rumtreibt, sind eben immer noch die Menschen. Kann ja nicht gutgehen, so’n Internet.

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DJV und Burda konzertieren gegen Google: Schweigen wäre Platin

23.07.2009 | schmierfink: ah | Kategorie: netzhetze

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