Der gute Onkel Björn twittert’s gerade mit den treffenden Tags #totgeburt und #fail: Die Post entdeckt das Internet auf die für sie unvergleichliche Weise: an der Idee, am Kunden und generell am Sinn vorbei. Wie golem.de vermeldet, sollen registrierte Nutzer in Zukunft ihre Briefe einfach per PC oder Handy schreiben, die dann per Post zugestellt werden. Das, so zitiert golem Postmann Jürgen Gerdes, sei ein “wegweisendes neues Produkt der Zukunft”.

Zugegeben: Ich muss meinen Brief immerhin nicht mehr in einen Umschlag stecken, frankieren und zum Kasten schleppen. Das könnte für manche Firma durchaus sinnig werden. Ob das aber nun “wegweisend” (im Sinne von: da geht’s lang) oder “wegweisend” (im Sinne von: da geht’s weg) ist? Per Post verschickt man ja nun mal entweder die Dinge, die man nicht in seinen Rechner gepresst bekommt oder man hat keinen Rechner wie zum Beispiel meine Oma. Darum schreibe ich meiner Oma mit Stift und Papier, was sie sehr freut. Darum ändern wir das mal nicht.
Der Netzbrief solle außerdem die “Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit, die man mit der Post verbindet, auch ins Internet transferieren”. Transferiere ich die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit, die ich mit der Post verbinde, ins Internet, sieht das so aus:

  • “Ihre E-Mail konnte nicht zugestellt werden, weil der Server zwischen 12 und 13 Uhr Mittag macht.”
  • “Hallo Arne, deine Mail hab ich bekommen aber da fehlt die Hälfte und sie ist zerkratzt.”
  • “Wir haben Ihnen zu viel Porto für den Versand der letzten E-Mail berechnet. Der Betrag wird in Briefmarken rückerstattet. Wenden Sie sich an die Postfiliale in Ihrer Nähe.”
  • “Bitte loggen Sie sich zwischen 9.30 und 12 Uhr sowie 13 und 17.30 Uhr (werktags, samstags nachmittags geschlossen) ein.”
  • “Sie haben sich erfolgreich eingeloggt. Es sind noch 1230 weitere Kunden eingeloggt. Sie stehen jetzt in der Warteschlange.”
  • “Wir haben die Supportanfrage zum Verlust Ihrer Mail erhalten. Das kann gar nicht sein.”
  • “Wir wollten Ihnen eine Mail mit Anhang zustellen, haben Sie aber nicht online angetroffen. Sie können den Anhang zu den Öffnungszeiten in Filiale xyz ausdrucken lassen. Alternativ füllen Sie folgendes Formular aus, damit wir den Anhang Ihrem Nachbarn zustellen können”
  • “Anhang ist 30kb zu groß. Das kostet extra.”

In diesem Sinne: Ich mach mal Mittag, danach könnt ihr weiterlesen.

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Diese E-Mail wird per Pferd zugestellt

24.07.2009 | schmierfink: ah | Kategorie: netzhetze, servicelöcher

Ein Senf dazu
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  1. Man stelle sich mal vor, wenn der Junkfilter bei denen ausfällt. Das wird die Papierindustrie freuen…

Dein Senf?