Man stelle sich das mal vor: Ich gehe zur Information eines großen Kaufhauses und äußere den Wunsch, das Hörbuch The Dirt zu erstehen. Die Bedienung schaut in ihren Computer und verweist mich sofort zu einem Regal um die Ecke. Ich freu mich. Vor dem empfohlenen Regal bin ich dann etwas verwirrt. Da stehen irgendwie nur Infos, wie geil das Kaufhaus ist, wie viele Artikel es im Programm hat und dass sie mir jetzt ein total tolles Angebot machen können und noch einen MP3-Player drauflegen, wenn ich sofort zuschlage und was kaufe und zwar regelmäßig für drei Monate. Flatrate, toll. Aber wo ist denn mein Hörbuch, das ich suche? Ich frage einen Verkäufer. Der legt mir drei Hörbücher auf den Tisch: The Only Road North: 9,000 Miles of Dirt and Dreams, Motorcycle Mania: Dirt Bikes und Gullible’s Travels: The Adventures of a Bad Taste Tourist. “Und wenn du jetzt zuschlägst, gibt’s ein Sonderangebot.” Ich suche aber The Dirt und nicht Produkte, in denen The oder Dirt vorkommt. Also anders versuchen, immerhin handelt es sich um die Biografie von Mötley Crüe. “Haben wir nicht.”

So. Was ist da gerade passiert? Ein Händler hat einem potentiellen Kunden die Zeit gestohlen und ihn unter Umständen auf Lebzeiten vergrault. Das kostet den Händler viel Geld, zumal er die Bedienung am Eingang für jeden Kunden bezahlt, den sie zum (uninteressanten) Regal mit dem Sonderangebot schickt, das er nicht will. Die Bedienung ist eine Google AdWords-Anzeige und so angelegt, bei dem Wort “Hörbuch” zum Sonderangebot zu zeigen. Frei nach dem Motto “Wer ein Hörbuch sucht, sucht irgendeins”. Da jeder Klick Geld kostet, keine gute Idee.

“Wir freuen uns, dass die Suche nach the dirt hörbuch über google.de Sie zu Audible geführt hat”, begrüßt mich hingegen Audibles Landing-Page. Aber: Worüber freut ihr euch? Dass ich da bin, heißt nicht, dass ich bleibe. Und wie ihr hoffentlich in einem Tracking-Tool eurer Wahl nachvollziehen könnt, bin ich nicht geblieben. Im Kontext der Biografie einer versoffenen Skandal-Rockband mit schlimmen Frisuren schickt ihr mich nahtlos zu Motorradbüchern und Reiseberichten. Was soll ich hier? Der Mitbewerber schafft immerhin die Grätsche zu Lemmys White Line Fever.

Googles AdWords zeigen einmal mehr, dass da draußen noch so einige Leute das Web als Vertriebskanal nicht verstanden haben. Es ist doch ganz einfach: Ihr wisst genau, was euer Kunde will. Ihr wisst nicht nur, dass er ein Hörbuch will, ihr wisst auch, welches. Wenn ihr es nicht habt – was soll der Kunde bei euch? AdWords kann so extrem viel und – gut konfiguriert – nicht nur Produkte beliebig verkaufen, sondern auch wiederkehrende Kunden ins Haus schaffen. Die kaufen dann, zufrieden wie sie sind, auch irgendwelche Flatrates. Mit Sicherheit. Sind sie aber nicht zufrieden, sondern frustriert, seid ihr sie von Anfang an los und habt auch noch Geld verschenkt. Gebt’s doch einfach mir. Und nehmt The Dirt ins Programm. Dann sehen wir weiter. Immerhin ein Backlink von hieraus. Seht es als Trostpreis, weil die Konkurrenz den Zuschlag bekommt.

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Google AdWords konfigurieren? Klicken ist nicht alles und Mötley Crüe kein Motorrad!

23.11.2009 | schmierfink: ah | Kategorie: netzhetze

Dein Senf?