Nach Google, Facebook und der üblichen Latenz entdecken deutsche Politiker endlich Apples App Store: Der verstoße, so Hamburgs Medien-Staatsrat Nikolas Hill bei Spiegel Online, gegen die Presse- und Meinungsfreiheit und wedelt mit dem Rundfunkstaatsvertrag. Der zwingt beispielsweise Kabelnetzbetreiber, jeden Schrott ungefiltert auszustrahlen, der nicht anderweitig gegen deutsches Recht verstößt.
Darum soll Apple nun auch jede App verkaufen, die der deutschen Rechtsprechung in den Kram passt. Weg mit der “Zensur” und Ablehnung einzelner Angebote. Gern angeführt wird das Beispiel BILD: In der Springer-App darf das Seite-1-Mädel aus Quickborn keine Titten zeigen. Skandal. Mehr Substanz hat hingegen der Vorwurf, politische Karikaturen würden nicht in den Store aufgenommen. Da wittern viele Verlage zu Recht die Gefahr, in der Rolle des kritischen Beobachters beschnitten zu werden.
Ja, nicht schön. Aber wie wäre es damit: Geht, rennt, lauft zu Android. Vergesst das iPad. Optimiert eure erbärmlichen Online-Auftritte. Holt euch Rat von Profis. Hört auf zu weinen. Sucht die Schuld nicht bei anderen. Vergesst das geduldige Papier, das ihr noch immer recht erfolgreich bedruckt, wenn man sich die Kioske so anschaut. Aber bitte bremst diese seltsamen Staatsvertreter. Denn was der deutsche Rundfunk, das deutsche Kabelnetz, sogar die deutsche Vorstellung von Meinungsfreiheit, mit dem Internet zu tun haben soll, wissen auch die Rundfunkreferenten nicht so genau: “Im Umfeld der Länderchefs schätzt man die Umsetzung zwar als schwierig ein, das Thema sei aber relevant”, drückt man es bei SpOn ganz nett aus.
Irgendwie seltsam ist doch, wenn Vertreter einer Regierung, die freie Marktwirtschaft und Kapitalismus quasi als Grundlage demokratischen Miteinanders sieht, plötzlich das Angebot des Bahnhofskiosks beeinflussen will. Das wäre nun mal der Direktvergleich und die Konsequenz: Ein Pflichtprogramm für alle, die mit Medienprodukten handeln. Ich werd gleich morgen mal die beiden freundlichen Inder im U-Bahn-Kiosk fragen, warum sie zwar die TAZ, nicht aber ein Pendant aus der rechtskonservativen Ecke anbieten.
Man kann von Apple, Microsoft, Google oder Facebook halten was man möchte: Niemand wird gezwungen, das eine oder andere zu nutzen. Der Knackpunkt liegt wohl eher in geweckten, falsch interpretierten Begehrlichkeiten: Dass mit dem iPad nicht umgehend alle Printmedien saniert werden, war wohl jedem halbwegs aufmerksamen Konsumenten klar. Mit Ausnahme der Verleger, die deutschen wieder vorneweg. Gibt man sich pauschal der Euphorie über ein einziges Endgerät eines einzigen Produzenten her, ist das ähnlich dämlich wie die pauschale Verteufelung des Internets an sich. Aber schön einfach ist es natürlich auch.
Kein Wunder, dass es plötzlich so verdammt in ist, lieber an Gesetzen und Verboten herum zu schrauben als sich mit der Grundproblematik zu beschäftigen. Apple-Hasser werfen (zu Recht) gern die ewigen Kartellklagen gegen Microsofts Browserpolitik in die Waagschale. Mit anderen Worten: Alle sollten die gleichen Klagen an den Hals bekommen, egal wie dumm oder wenig zeitgemäß diese sind. Verdammt noch mal: Wer ein offenes System will, installiert Linux. Wo ist das Problem?
Zumindest ein Problem liegt in Deutschland. Dort wird jetzt erstmal ein Arbeitskreis zum Thema App Store gegründet. Das beste Zeichen für weit reichende Ahnungslosigkeit.

Nach Google, Facebook und der üblichen Latenz entdecken deutsche Politiker endlich Apples App Store: Der verstoße, so Hamburgs Medien-Staatsrat Nikolas Hill bei Spiegel Online, gegen die Presse- und Meinungsfreiheit und wedelt mit dem Rundfunkstaatsvertrag. Der zwingt beispielsweise Kabelnetzbetreiber, jeden Schrott ungefiltert auszustrahlen, der nicht anderweitig gegen deutsches Recht verstößt.

Darum soll Apple nun auch jede App verkaufen, die der deutschen Rechtsprechung in den Kram passt. Weg mit der “Zensur” und Ablehnung einzelner Angebote. Gern angeführt wird das Beispiel BILD: In der Springer-App darf das Seite-1-Mädel aus Quickborn keine Titten zeigen. Skandal. Mehr Substanz hat hingegen der Vorwurf, politische Karikaturen würden nicht in den Store aufgenommen. Da wittern viele Verlage zu Recht die Gefahr, in der Rolle des kritischen Beobachters beschnitten zu werden.

Ja, nicht schön. Aber wie wäre es damit: Geht, rennt, lauft zu Android. Vergesst das iPad. Optimiert eure erbärmlichen Online-Auftritte. Holt euch Rat von Profis. Hört auf zu weinen. Sucht die Schuld nicht bei anderen. Vergesst das geduldige Papier, das ihr noch immer recht erfolgreich bedruckt, wenn man sich die Kioske so anschaut. Aber bitte bremst diese seltsamen Staatsvertreter. Denn was der deutsche Rundfunk, das deutsche Kabelnetz, sogar die deutsche Vorstellung von Meinungsfreiheit mit dem Internet zu tun haben sollen, wissen auch die Rundfunkreferenten nicht so genau: “Im Umfeld der Länderchefs schätzt man die Umsetzung zwar als schwierig ein, das Thema sei aber relevant”, drückt man es bei SpOn ganz nett aus.

Irgendwie seltsam ist doch, wenn Vertreter einer Regierung, die freie Marktwirtschaft und Kapitalismus quasi als Grundlage demokratischen Miteinanders sieht, plötzlich das Angebot des Bahnhofskiosks beeinflussen wollen. Das wäre nun mal der Direktvergleich und die Konsequenz: Ein Pflichtprogramm für alle, die mit Medienprodukten handeln. Ich werd gleich morgen mal die beiden freundlichen Inder im U-Bahn-Kiosk fragen, warum sie zwar die TAZ, nicht aber ein Pendant aus der rechtskonservativen Ecke anbieten.

Man kann von Apple, Microsoft, Google oder Facebook halten was man möchte: Niemand wird gezwungen, das eine oder andere zu nutzen. Der Knackpunkt liegt wohl eher in geweckten, falsch interpretierten Begehrlichkeiten: Dass mit dem iPad nicht umgehend alle Printmedien saniert werden, war wohl jedem halbwegs aufmerksamen Konsumenten klar. Mit Ausnahme der Verleger, die deutschen wieder vorneweg. Gibt man sich pauschal der Euphorie über ein einziges Endgerät eines einzigen Produzenten hin, ist das ähnlich dämlich wie die pauschale Verteufelung des Internets an sich. Aber schön einfach ist es natürlich auch.

Kein Wunder, dass es plötzlich so verdammt in ist, lieber an Gesetzen und Verboten herum zu schrauben als sich mit der Grundproblematik zu beschäftigen. Apple-Hasser werfen (zu Recht) gern die ewigen Kartellklagen gegen Microsofts Browserpolitik in die Waagschale. Mit anderen Worten: Alle sollten die gleichen Klagen an den Hals bekommen, egal wie dumm oder wenig zeitgemäß diese sind. Verdammt noch mal: Wer ein offenes System will, installiert Linux. Wo ist das Problem?

Zumindest ein Problem liegt in Deutschland. Dort wird jetzt erstmal ein Arbeitskreis zum Thema App Store gegründet. Das beste Zeichen für weit reichende Ahnungslosigkeit.

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Endlich: Rundfunkstaatsvertrag zaubert Brust und Meinung aufs iPad!

6.06.2010 | schmierfink: ah | Kategorie: netzhetze

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